Scheinbar banal, nie egal: Versteckter Sexismus

Ich habe heute zum ersten Mal jemanden auf Twitter geblockt. Und das wegen ein paar harmloser Tweets, die nun wirklich nicht besonders schlimm waren. Da habe ich schon wesentlich schlimmere Sachen über Twitter an den Kopf geworfen bekommen. Warum blocke ich also ausgerechnet diesen User? Gerade sind wir in Kleinbloggersdorf ja alle ziemlich durch die Brüderlegeschichte, den Sexismusartikel über die Piraten im Spiegel und die ganze Aufschreierei ziemlich aufgewirbelt. Ich begrüße das sehr, weil endlich mal wieder etwas auch von den „großen Medien“ thematisiert wird, was viel zu oft unter den Teppich gekehrt wird. Doch leider wühlt es eben auch die Gemüter auf und so steigt erstens die Wahrscheinlichkeit, dass man sich etwas Ekliges anhören muss und damit zweitens die Empfindlichkeit im Umgang mit eben solchen Kommentaren.

Mittlerweile gibt es viele Möglichkeiten mit solchen Kommentaren umzugehen. Doch eine Frage hält sich dabei hartnäckig: Was war da dran jetzt sexistisch? Viele Männer werden unsicher, was sie nicht mehr tun dürfen und ich habe dafür sogar Verständnis. Denn das wogegen wir uns heute in unseren Breitengraden wehren müssen ist selten offener Sexismus. Es ist auch keine Frauenfeindlichkeit. Es ist Androzentrismus. Es ist unbewusster Sexismus. Und der zeichnet sich genau dadurch aus, dass man eben nicht so einfach mit dem Finger darauf zeigen kann und sagen: „Das ist das Problem“. Und vor allem lässt es sich nicht in 140 Zeichen erklären.

South Park’s Genius Website Copyright Fail

Today I need to rant about something related to my all-time favourite TV show: South Park.

South Park is a great show, and I really appreciate that all their episodes can be watched in full on their website. I even accept that ads are shown at the beginning of each episode. They are trying out a new business model and I consider this a good thing. You have to try out stuff, even if it goes wrong.
Here’s what’s wrong with the South Park model.

Some time ago the US website for South Park was accessible from everywhere. There are nice features on it, like the SP avatar generator and a forum where fans can talk about the latest episodes. The forum is particularly interesting for non-native speakers because it’s a place to learn about all the colloquial jokes that need the kind of cultural background you just don’t acquire in other places, such as Europe.

 

This is what you get, when visiting southparkstudios.com from a german computer.

Spitzerfindigkeiten

Manfred Spitzer bringt mit seinem Buch „Digitale DemenzWirbel in unsere schöne neue Computerwelt. Letzten Sonntag saß er bei Günther Jauch. Ich finde es faszinierend, wie Spitzer es hinkriegt, so nah dran an einer wichtigen Erkenntnis zu sein und gleichzeitig so daneben liegen kann.

Da ich mich mit digitaler Mündigkeit und Technikpaternalismus beschäftige, triggert Spitzer mich natürlich besonders an. Ich betone oft, dass wir uns genau überlegen müssen, wie wir die digitale Technik gestalten wollen. Natürlich müssen wir uns überlegen, welche unerwünschten Konsequenzen unser Fortschritt hat, wie wir diese vermeiden können, oder ob und unter welchen Bedingungen wir damit leben können.

Die Frage, die Spitzer eigentlich stellen müsste lautet:

Wie müssen wir unsere Technik gestalten, damit sie uns nicht dumm macht?

Oder unmündig, wie ich anfügen möchte. Leider war die Sendung von Herrn Jauch recht unerquicklich und blieb sehr oberflächlich.

Ich kann mir den Seitenhieb nicht verkneifen, dass ich die Darstellung der Geschlechterrollen unmöglich fand: Die einzige Frau auf dem Panel war natürlich internetkritisch und die Gefahren für Kinder wurden nur in Bezug auf Jungs diskutiert. Natürlich! Vielen Dank! Das wird Mädchen ganz sicher inspirieren, sich nicht digital abhängen zu lassen m(

Die Sache mit dem geistigen Eigentum

Die Sache mit dem geistigen Eigentum

Ich gerate mit dem Begriff des „geistigen Eigentums“ immer wieder aneinander. Dabei stößt er mir sowohl politisch, als auch sprachphilosophisch unangenehm auf.
In der Enquête-Kommission digitale Gesellschaft habe ich eine kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff angetreten. Doch die Kompromissmaschine hat da natürlich auch wieder vieles weichgespült.

Hier meine unverblümte Einstellung zu dem Thema:

Zunächst: Ich unterscheide zwischen einer sprachphilosophischen und einer inhaltlichen Kritik des Begriffs. Denn Wittgenstein hat sehr schön gezeigt, wie viele Probleme allein dadurch entstehen, dass ein Begriff nicht klar differenziert wurde und man somit quasi aneinander vorbeiredet.
Den Koalitionspolitikern in der Enquete habe ich das wie folgt erklärt:

Anne und Jutta wollen ein Haus bauen. Anne findet, dass Bretter ein gutes Material dafür sind, Jutta bevorzugt Steine. Anne schlägt Jutta vor, das Haus aus „Stöckchen“ zu bauen, wobei sie damit Holzbretter meint. Jutta erscheint das absurd und schlägt „Kiesel“ vor, wobei sie große Backsteine vor Augen hat. Die beiden streiten sich sehr lange denn für jede erscheint das vorgeschlagene Material als absurd. Würden sie ihre Begriffe klären und einander erklären, was sie unter dem Begriff verstehen, könnten sie sich möglicherweise darauf einigen, dass beide Materialien in Kombination vielleicht noch besser wären. Da sie jedoch aneinander vorbei reden, haben sie nie eine Chance das Problem zu lösen.

Einigkeit und Streit und Freiheit für ein transparentes Land

Es ist nicht nur bei den Tagesthemen gestern groß raus gekommen: Die Piraten veranstalten ihren neunten Parteitag in Offenbach. Die Presse hielt es für den ersten. Und in gewisser Hinsicht ist es auch ein erster. Der erste, den sie ernst nehmen.
Und dass die Piraten ernstzunehmen sind, das haben sie an diesem Wochenende erneut bewiesen: Nach außen mag es vielleicht etwas verzankt vorkommen. Doch genau das ist vielleicht eins der wichtigsten Alleinstellungsmerkmale dieser jungen Partei.
Auf dem Bundesparteitag 2011.2 in Offenbach (Foto: Simon Kowalewski)
Von Anfang an war peiteiinterner Streit bei den Piraten sichtbar: Denn die Piraten stehen für Transparenz ein. Von Anfang an waren Mailinglisten, Wikis, Sitzungen, Protokolle und vieles mehr öffentlich zugänglich. Und eben das macht parteiinternen Streit sichtbar.
Streit ist nichts schlechtes. Andere Parteien haben so etwas auch. Ohne Streit geht es in der Demokratie nämlich gar nicht. Die anderen Parteien haben sich jedoch dem politischen Duktus unterworfen, dass parteiinterner Streit hinter verschlossenen Türen stattzufinden hat. Und Bürgerinnen, Bürger und Presse haben sich daran gewöhnt. Die Stärke „Streit“ ist zur Schwäche verkommen.

Flüssige Demokratie in der Enquête? Übungsstunden in Volksvertretung.

Seit mehr als einem Jahr trifft nun die Enquete-Kommission für Internet und Digitale Gesellschaft zusammen. Wenn ich erzähle, dass ich dort als Referentin tätig bin, werden mir oft die gleichen zwei Fragen gestellt:

  • Ist das nur ein Ablenkungsmanöver, welches die wichtigen Kräfte der Netzbewegung binden soll?
  • Ist es überhaupt sinnvoll, als Externe oder Externer über das Tool Adhocracy dort mitzuarbeiten?

Die erste Frage beantworte ich gerne mit: „Es kommt darauf an, was man daraus macht.“ Ich selber habe mich entschieden, die Enquête ernst zu nehmen. Ich nehme mit Freude wahr, dass Politiker in dieser Runde sehr viel dazu lernen und auch lernwillig sind. Manche ächzen mittlerweile, weil ihnen bewusst wird, dass sie nun versuchen müssen Positionen in ihre Parteien zu tragen, die dort so gar nicht vertreten werden. Auch die Netzvertreterinnen lernen eine Menge über real existierende politische Prozesse. Es ist innerhalb des Bundestags noch nicht geklärt, wer mit welchen Methoden die besseren Ergebnisse liefert.

Eine Besonderheit dieser Enquête ist, dass sie – en passant – bereits viele Ziele erreicht hat, sogar tatsächlich einige Revolutionen im Bundestag bewirkt hat (empfehlenswerter Artikel von Wolfram Sauer).

Meine neue Leidenschaft: Froschtituierten-Witze

So langsam kann ich wieder etwas besser tippen und so kehre ich endlich zurück in die digitale Welt. Ist schon erschreckend, wie einen der Verlust der Schreibfähigkeit aus dieser Welt ausschließt.

Wiedemauchsei: Ich melde mich hiermit zurück, bitte jedoch um Verständnis, dass ich mich auch weiterhin schriftlich noch etwas zurück halten muss.
… es gibt ja auch noch eine Magisterarbeit, die endlich fertig werden will.

Zur Feier, dass ich wieder schreiben kann (aber unter dem Wissen, dass ich mich nach wie vor zurückhalten sollte) hier mal was kürzeres, völlig political-incorrectes, das mir aber die Leidenszeiten versüßt hat:

Ich habe eine neue Leidenschaft.

Es fing damit an, dass mir neulich einer einen Witz erzählt hat.

Der geht so:
Was ist grün und steht am Straßenrand?
Na?
Kommt ihr nie drauf: Eine Froschtituierte.

Aus diesem mehr oder weniger mäßigen Witz stieß sich eine Welle los, von Witzen, die dieses Konzept aufgreifen. Ich nenne sie in Anlehnung an den ersten Witz dieser Sorte, der mir zu Ohren kam „Froschtituierten-Witze“.

Da ist zunächst die Frage:
Was ist blau und steht am Straßenrand?
Ganz klar! Eine Frosttituierte.

Und was ist gelb und steht am Straßenrand?
Die Postituierte.

Fußball und Männerfußball gleichermaßen ernst nehmen!

Ich finde es ja schon die ganze Zeit merkwürdig, dass die ganze Zeit von der „FrauenFußball-WM“ gesprochen wird. Gibt es denn noch eine andere?
In Schweden wird Fußball beider Geschlechter einfach Fußball genannt. Aus dem Kontext erschließt sich dort fast immer, welcher gemeint ist.
Zum Beispiel müsste doch eine WM im eigenen Land solch ein Kontext sein.
Daher habe ich mir zur Gewohnheit gemacht, von Fußball und Männerfußball zu sprechen.
Das führt mitunter zu amüsanten und vielsagenden Verwirrungen.
Bei fast allen, entstand dadurch zunächst für Verwirrung, dann verdrehten sie die Augen.
Aber folgendes Gespräch wollte ich euch nicht vorenthalten.

Habe den Namen geändert, es ist natürlich ein Gedächtnisprotokoll, hat sich aber ziemlich genau so abgespielt:

Ich: Was machst du in deiner Freizeit?

Tom: Ich spiele Fußball.

Ich: Oh schön! Ich finde es toll, dass auch Männer Fußball spielen. Die haben ja sogar ne eigene Mannschaft, oder?

Tom: Ach! Das nimmt doch keiner ernst!

Ich: Ach komm. Die gewinnen zwar nicht so oft eine WM, wie die Frauen, aber deswegen sollte man sie doch nicht weniger ernst nehmen!

Tom: Naja wenn sie ohne Trikot spielen würden, vielleicht höhö.

Ich: Die Männer?

Tom: Ja ja.

Gesichtsverlust bei Facebook

Irgendwie ist es allen bewusst: Facebook ist nicht so ganz koscher.
Aber andererseits hat es so viele praktische Funktionen und macht es so einfach mit all den Menschen in Kontakt zu bleiben, für die ich im real live nicht genug Zeit aufbringen würde, weil sie mir nicht wichtig genug sind.
OK das war jetzt gemein. Aber Fakt ist doch, dass Facebook eine üble Datenkrake ist und mit unseren Profilen ein riesen Geschäft macht.

Viele beruhigen sich damit, dass sie ihre Privatssphäreeinstellungen ja einstellen können und dann nur noch ihre Freunde an ihre Informationen ran kommen.
Und Facebook.
Kein Problem: „Als Wohnort habe ich Bahamas angegeben“ und auch die anderen Daten werden zum scheinbaren Schutz verfälscht. Dann weiß auch Facebook nichts über mich.
Nichts?
Oh nein! Definitiv nicht nichts.
Wusstet ihr, dass Facebook oft weiß, auf welchen anderen Seiten ihr surft, während im gleichen Browser Facebook geöffnet ist? Und hat euch noch nie gewundert, dass der „like“-Button auch ohne Eingabe eines Facebook-Passwortes funktioniert? Das sind Infos, die ich zwar auch vor Facebook verbergen könnte (z.B. indem ich die entsprechenden Cookies deaktiviere etc.), aber da die meisten davon gar nicht wissen, können sie auch nichts dagegen tun. Die denken dann weiterhin, ihre falschen Angaben zu Studienfach und co würde Facebook verwirren.
Und dann gibt es da noch die ganzen Daten, die meine Freunde über mich preis geben. Indem sie Fotos hochstellen oder unbedarft oder sogar unwissentlich meine Daten bekannt geben. Sogar dann, wenn ich gar nicht bei Facebook angemeldet bin.

Alte Mythen in der digitalen Gesellschaft

Die Bekanntgabe der Gründung eines Vereins namens „Digitale Gesellschaft“ brachte heftigen Wind nach Kleinbloggersdorf.

Schon häufiger wurde Bedarf an einer Art „Dachverband“ oder einem ADAC der Netzwelt geäußert. Und seit einiger Zeit sehen manche Organisateure unseres Aktivismus‘ neidvoll auf Organisationen wie Campact , die es schaffen, kleine online-Aktionen groß zu machen und dann eindrucksvoll (und pressetauglich) auf die Straße zu bringen. Campact macht starkes Fundraising und ist mit etwa einem Dutzend Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gut organisiert. Es könnte sicherlich nicht schaden, sich etwas an deren Erfolgsrezept zu orientieren.

Und nun stellte sich Markus auf die re:publica und präsentierte seinen Verein. Und kassierte erst einmal viel Kritik:

  • Die Art der Gründung fanden viele suboptimal.
    fefe schrieb dazu:

    Ich habe ja seit Jahren beim CCC mitgemacht und kann nicht leugnen, mir da ein bisschen auf die Füße getreten zu fühlen, wenn da jetzt so aus dem Nichts ein Verein kommt und die Lobby für die Netzpolitik monopolisieren will (so kommt das natürlich gerade bei den ganzen anderen Playern in der Internet-Lobby an). Unsere bisher größten Erfolge haben wir (die Internet-Lobby, nicht der CCC) in Arbeitskreisen wie AK Zensur und AK Vorrat gehabt, nicht in Einzelgängen. Aus meiner Sicht hätte man hier ansetzen sollen und nicht eine neue Volksfront Judäas gründen sollen.