Ich lege meinen ICQ-Account still

Liebe ICQ-Kontakte,

ich schreibe an euch mit einer kleinen Bitte (die wirklich nicht viel Umstand verursacht und gleichzeitig noch zu eurem eigenen Vorteil ist). Nach länger Zeit möchte ich mich (weil sich in letzter Zeit die Probleme mit ICQ mehr und mehr häufen) meinen ICQ-Account nicht mehr benutzen. Es gibt dafür viele Gründe (angefangen bei politischen und zuletzt schlicht und ergreifend funktionale Gründe) die ihr -wenn ihr euch dafür interessiert- hier und hier nachlesen könnt. (Hier gibts nochmal was zu Skype)

Statt meines ICQ-Accounts steige ich auf Jabber (XMPP) um. Dafür gibt es auch gute Gründe. Ich möchte euch nun nicht bekehren, selbst auch von ICQ auf Jabber unzusteigen. Das ist nämlich gar nicht nötig. Es ist ganz einfach, sich einen Jabber Account einzurichten. Diesen kann man dann ganz bequem gleichzeitig mit ICQ (und anderen Protokollen wie MSN usw.) in einem einzigen Programm wie zum Beispiel Pidgin nutzen. Das hat zusätzlich den Vorteil, dass man nicht mehr die ganze Werbung von ICQ hat. Für euch bedeutet das höchstens 15 Minuten Zeit und dann habt ihr einfach eure ICQ-Kontakte in Pidgin und könnt mich darüber auch weiterhin auf der Kontakt-Liste haben. Ich würde mich freuen, wenn ihr mir diesen Gefallen tun könntet und wir somit weiterhin in Kontakt bleiben würden. Hier gibt es eine einfache Erklärung, wie das geht. Solltet ihr darüberhinaus Hilfe brauchen, beim Einrichten eines Jabberaccounts oder so, helfe ich euch natürlich gerne.

Übrigens können EmailadressenbesitzerInnen von gmx, web.de und google einfach ihre E-Mailadresse als Jabber-Account benutzen. Also einfach bei Pidgin: Konten -> Konten verwalten -> Konto Hinzufügen -> Protokoll: XMPP -> bei Benutzer alles was vor dem @ der Mailadresse kommt und bei Domain alles was danach kommt eintragen und fertig.

Meine Jabberadresse erfahrt ihr von mir persönlich.

Transparenz und Piratssphäre

[Angenommen, nur mal angenommen, ich bin genervt. Also ich meine RICHTIG genervt. Genervt über das immer wiederkehrende Gerede von mangelnder Transparenz in Bezug auf die Piratinnen-Mailingliste. Und ich würde mich hinsetzen, meiner Genervtheit mal richtig Raum geben und darüber einen Blogbeitrag schreiben wollen. Was würde ich wohl schreiben? Erst einmal bräuchte ich eine Überschrift.]

„Das leidige Thema Transparenz und warum die Piratinnen damit gar nicht im Widerspruch stehen“

[Gut, das war jetzt nicht die beste Überschrift, die ich mir je ausgedacht habe … hört sich eher wie ein Arbeitstitel an. Aber das spielt bei meiner genervten Laune eine geringere Rolle. Das bleibt jetzt so. Und wie würde ich den Artikel am besten eröffnen, um meine Laune gleich mal deutlich zu machen? Vielleicht so?:]

„Man mag ja gut oder schlecht finden, dass ich im Rahmen der Gründung der Piratinnen-Mailingliste eine Pressemitteilung verschickt habe.“

[So! Das musste erst mal raus. Erwähnte ich, dass ich genervt bin? … und dann geht’s im gleichen Tonfall weiter:]

„Was mir aber tierisch auf die Nerven geht ist die leidige Diskussion um das ‚Ausschließen von Leuten‘ und die ‚fehlende Transparenz‘ und dass das ja ‚ungeheuer diskriminierend sei‘.“ Deswegen erklär ich das hiermit jetzt noch einmal anders:

[So. Und nun setze ich mich einen Moment und atme tief durch. Das muss jetzt reichen an genervtem Tonfall. Deine Leserinnen und Leser können ja auch nichts dafür. Und jetzt erklär ich es einfach nochmal. Ein letztes mal. Und dann warte ich einen Monat und veröffentliche es frühestens dann. Dann ist der Eindruck vom Bundesparteitag der Piratenpartei nicht mehr so frisch … und ich kann viel ruhiger und sachlicher schreiben … und … ja … dann kommt das hier dabei ‚raus. Etwas völlig Konstruktives. Etwas in aller Kontemplation und ohne Mißtöne geschriebenes. Nämlich das:]

Ich habe (in eigener Erfahrung) festgestellt, dass es schwer ist, eine Ansprechperson bei der Piratenpartei zu finden, wenn man in Bezug auf die Genderfrage nicht über Post-Gender diskutieren will, sondern einfach mal einen Menschen zu Reden braucht, von dem man sich verstanden fühlt. Gerade für Menschen, die nicht das Gefühl haben, im Postfeminismus angekommen zu sein, habe ich so etwas bei den Piraten nicht gefunden. Mir wird häufig vorgeworfen, ich hätte nie versucht mit den Frauen meines Landesverbandes zu sprechen. Ich habe das sehr wohl versucht. Doch es ging mir zu diesem Zeitpunkt nicht um eine politische Auseinandersetzung über Postfeminismus vs. Differenzfeminismus usw. Ich wollte offene Ohren, die einfach Verständnis aufbringen und mir zeigen, dass es dennoch keinen Grund für einen Parteiaustritt gibt. Und das gab es nicht. Nicht in der Piratenpartei. Die Frauen, die nun behaupten, ich hätte zuvor keinen Kontakt zu ihnen gesucht, hatten nicht verstanden, dass ich keine Diskussion über Postfeminismus führen wollte, weshalb ich den Kontakt schnell abgebrochen habe. Das war nicht, was ich gesucht hatte, denn DANN hätte ich in eine der AG’s gehen können. (Womit ich auch gleich nochmal erklärt habe, warum ich DAS nicht getan habe).

Also habe ich selbst ein Angebot aufgemacht. Man könnte auch sagen, ich habe bekannt gegeben: Leute, wenn ihr wollt, könnt ihr euch zu diesem Thema an mich wenden. Was wäre daran verboten? Nichts! (Wenn jemand sagen würde „Wer von den Piraten über Tierschutz sprechen möchte, kann sich an mich wenden“ ist das ja auch kein Problem. Und er oder sie hat sich damit ja auch noch nicht um Vertreter (oder zur Vertreterin) aller Tierschützer innerhalb der Piratenpartei gekrönt.) Ich würde mich hüten, jede dieser Nachrichten (aus Transparenzgründen) an alle zu veröffentlichen. Ich habe dieses Angebot – man ist ja schließlich Piratin – ein wenig besser technisch organisiert. Die Idee war, dass einfach gleich alle gegenseitig zu Ansprechpartnerinnen werden. Und weil das mit Ansprechpartnern ja so eine Sache ist und man sich halt eher Leuten von der eigenen Sorte anvertraut, habe ich halt erst mal nur die weiblichen unter denen miteinander vernetzt. Gemixte Vernetzungsmöglichkeiten gibts ja schon.

Das hat also nix mit Transparenz oder Sexismus oder Diskriminierung zu tun, jedenfalls genau so wenig, wie getrennte Umkleidekabinen nicht als diskriminierend bezeichnet werden können. Mann kann getrennte Umkleidekabinen (genauso wie mein Angebot) hinterfragen; aber es als Diskriminierung (oder gar mangelnde Transparenz) zu bezeichnen ist einfach Quatsch!

Übrigens: Wenn sich ein Mann gerne an mich wenden möchte habe ich da auch gar nichts dagegen. Haben auch einige gemacht. Ich habe mich sehr darüber gefreut und ihnen auch geantwortet.

Frauen in der Netzpolitik: Workshop in Hattingen

So! Nun ist es offiziell.
Am ersten Juniwochenende werde ich ein Seminar zum Thema „Frauen in der Netzpolitik“ in Hattingen veranstalten und freue mich natürlich über rege Beteiligung.
Genauere Infos gibts unter www.frauenim.net
Die Anmeldung läuft über den FoeBuD, dem mensch bei der Gelegenheit ja auch gleich mal ne Kleinigkeit spenden kann, wenn mensch will.
Ich freue mich über Anmeldungen und Rückmeldungen.

Die Masche der Mobilfunkverträge: geflissentlich verwirren

Die ganze Zeit habe ich mich geweigert, mir einen dieser tollen Handyverträge mit „Internet“ zu holen. Dabei habe ich mit siedendem Neid auf die Menschen geschaut, die sich schon lange so etwas zugelegt hatten und von überall aus Zugriff auf das Netz haben. Das habe ich mir aber nicht anmerken lassen, sondern ihnen lieber erklärt, warum ich das politisch ablehne. Denn schließlich verbieten die meisten dieser Verträge den Zugriff auf bestimmte Dienste wie Voice over IP und Chatseiten. Und das bedeutet für mich den Anfang vom Ende der Netzneutralität. Denn wenn wir uns erst einmal auf diesem Markt darauf eingelassen haben, dass bestimmte Dienste nicht erreichbar sind, dann sind wir auf direktem Wege hier hin. Und das verdient eigentlich nicht Internet genannt zu werden. Deswegen auch oben die Anführungsstriche. Aber darüber wollte ich hier eigentlich gar nicht schreiben.

Sie haben mich jedenfalls jetzt weich gekocht und ich habe mich nun auf die Suche nach einem neuen Handytarif und einem schönen passenden Handy dazu gemacht. Und dabei ist mir aufgefallen, dass das ein Dschungel ist, in dem sich auch die gesottendste Dschungelkämpferin nicht zurecht finden kann.

Während ich so am Internet saß und mich immer mehr über die Unübersichtlichkeit aufregte dämmerte mir mehr und mehr, dass das wahrscheinlich nicht an der Unfähigkeit der Seitenbetreiber liegt, sondern Absicht ist.
Der Kapitalismus verlässt sich auf den Freien Markt. Aber der Wettbewerb kann auch ziemliche Nachteile haben. Zum Beispiel wenn die blöden Kunden merken, dass sie abgezockt werden oder sich gut informieren. Und was ist die Strategie dagegen? Wir machen es so unübersichtlich, dass es dazu einfach keine Chance mehr gibt.

Seriously! Habt ihr mal versucht, euch wirklich fundiert über den Handy-Vertrags-Markt zu informieren? Die Seiten sind so aufgebaut, dass es weder möglich ist, genaueres über den Vertrag, den man im Begriff ist abzuschließen, noch tatsächliche (brauchbare) Informationen über das Handy zu kriegen. Für mich ist zum Beispiel die Software ziemlich entscheidend dafür, ob ich ein Handy gut finde oder nicht. Schließlich entscheidet die ja darüber, was das Handy letztlich kann, und wie benutzerinnenfreundlich es ist. Aber die Software eines Handys kann man nirgendwo ausprobieren. Nicht online und auch nicht im Laden. Denn da haben die ja nur diese Attrappenhandys rumliegen.

Wenn man dann mal ein Handy gefunden hat, was einem gefällt und einen Vertrag gefunden hat, den man für erträglich hält, dann gibt es aber mit Sicherheit nicht beides zusammen. Oder doch? Wenn man bei 7mobile ein bestimmtes Handy (z.B.) das Palm Pre auswählt, bekommt man nur wenige Verträge dazu angeboten. Alle von Vodafone. Andere Verträge scheint es zu diesem Handy nicht zu geben. Und das ist man auch gewillt zu glauben, da es ja meistens so ist, dass man ein bestimmtes Handy nur mit einem bestimmten Vertrag bekommt. Warum das so ist wird nur selten hinterfragt. Eigentlich wäre der Wettbewerb doch viel freier, und fairer und besser zu durchblicken, wenn das nicht so wäre. Oder?
Klickt man sich nun aber auf der gleichen Seite, von der anderen Richtung aus kommend, durch die Verträge und schaut sich an, welche Handys es dazu gibt, stellt man fest: Das Palm Pre gibt es auch mit ganz anderen Verträgen. Ist das nun ein Fehler? Nachdem ich mich stundenlang durch viele andere Seiten gequält habe glaube ich da nicht mehr wirklich dran.

Wäre das nicht mal ein Fall für den Verbraucherschutz? Wie soll denn da noch jemand eine fundierte Kaufentscheidung treffen? Die Produkte sind keineswegs vergleichbar und die Angebote alles andere als durchschaubar.

Ich rief dann mal bei Base an, um mich genauer über deren Internet-Produkt zu informieren. Die zwar freundliche aber total inkompetente Frau der Hotline erklärte mir, dass in der Web-Flat von Base bestimmte Dienste verboten sind, genauso wie die Benutzung des Internets vom Laptop aus. Dafür gäbe es ja die (teurere) Laptop-Flatrate. Mit der dürfe ich sogar voipen (ich mag das Wort nicht). Nach einer kurzen Pause in der Warteschleife teilte sie mir mit, dass Skype (ich verzichtete zu diesem Zeitpunkt bereits darauf, sie darüber aufzuklären, dass Skype nur eine Variante von Voice over IP und noch nicht mal die beste ist) auch mit diesem Tarif verboten sei. Nach meiner Frage nach Deep Packet Inspection musste ich für längere Zeit in die Warteschleife um dann zu erfahren, dass auch die ganzen Kolleginnen und Kollegen bzw. Vorgesetzen davon noch nie etwas gehört hätten. Auf meine Frage, wie sie denn überprüfen, ob ich die verbotenen Seiten denn auch wirklich meide wurde ich wieder in die Warteschleife gehängt um kurze Zeit später zu erfahren, dass sie das an der Verbindungsart erkennen könnten. Aber dabei könnten sie ganz sicher nicht sehen, welche Seiten ich ansurfe oder was in meinen Emails stehe. Nur dass ich was verbotenes tun würde, das könnten sie sehen. In diesem Moment fühlte ich mich ein wenig an den Mythos von den Funkwägen der GEZ erinnert. Denen, die durch die Straßen fahren und erkennen können, wer alles einen Fernseher hat und damit die Menschen, die ihre Rundfunkgebühren nicht bezahlt haben entlarven. Andererseits konnte mir die Frau ja nicht erklären, wie genau sie das rausfinden und da sie mit DPI nichts anfangen konnte, konnte sie mir natürlich auch nicht versichern, dass sie das nicht machen würden. Ich könne mir ja den Vertrag genau durchlesen und von ihm gegebenenfalls innerhalb von 14 Tagen zurück treten.
Viel schlauer war ich auch nach diesem Telefongespräch nicht.
Übrigens auch nicht, nachdem mich E-Plus dann darüber aufklärte, dass die Base Flat keine Dienste verbiete und auch VoIP zulasse. Von DPI hatte auch der nette Angestellte von E-Plus noch nichts gehört.

Es macht aber in jedem Fall Sinn, die Menschen, die einem diese Verträge andrehen wollen mal ein wenig aufzuklären. Meiner Beraterin habe ich (nachdem sie mich fragte, ob ich das mit der Kontrolle nur wissen wolle, damit ich die verbotenen Sachen trotzdem machen könne) dann nochmal erklärt, dass ich Überwachung des Internets in dieser Form politisch ablehne. Und da sie sich mehrmals rückversichern musste, haben auch ein paar andere Leute noch was davon mitbekommen. Ich hatte zwar nicht den Eindruck, dass sie sich mal darüber informieren würde (sie konnte schon während unseres Telefonats den Begriff nicht wiederholen und hat ihn sich sicher nicht lange genug gemerkt, um ihn bei Wikipedia einzugeben), aber wenn genug Menschen nachfragen, kommt es vielleicht mal oben an. Schließlich sind wir in dem Moment ja potentielle Neukundinnen. Der einzige Moment, wo man überhaupt mal von denen ernst genommen wird. Aus diesem Grund sind ja auch die meisten Hotlines für Neukunden kostenfrei (und die Wartezeiten sind komischerweise auch immer wesentlich kürzer). Von daher eine wunderschöne Betätigung für einen regnerischen Nachmittag: „Ich interessiere mich für ihr Angebot und habe nur ein paar kleine Fragen“.

Letztlich ist es aber echt ein Unding, dass gegen diese Art der Verblendung noch nichts unternommen wurde. Ich will gar nicht wissen, wie Menschen, die mit den neuen Medien weniger gut umgehen können, da durchblicken bzw. wie leicht es ist, ihnen das Blaue vom Himmel runter zu erzählen, nachdem man sie so verwirrt hat. Mit Wettbewerb hat das nichts mehr zu tun. Denn der setzt voraus, dass sich die Kundinnen angemessen über die Produkte informieren können. Das ist aber definitiv nicht der Fall.
Wollen wir mal einen gemeinsamen Brief an den Verbraucherschutz schreiben?

Microsoft goes kindergarten

I just visited a german kindergarten that has a concept to educate young children in computer skills.
On the one hand I was very happy to see how both, boys and girls, learn how to work with computers and are tutored by women (which is good for the gender aspect). On the other hand I watched these children work with Microsoft software and being instructed how to work with Windows.
Sponsored by the German Federal Ministry of Education and Families and in cooperation with the Cornelsen Verlag, a big publishing house for schoolbooks, Microsoft places its software called Schlaumäuse directly into german kindergartens.
The kindergarten teachers are very happy about this program because it really gives them a good peace of software that they can easily work with. (I have to confess: in comparison to other Microsoft products it is really good.) The program comes for free (only for kindergartens, of course) with a good manual and a monthly magazine and there is also merch available like stickers and stuffed animals.
It is good work of advertisement and it is no wonder, that kindergarten teachers appreciate the offer. Especially since they are not aware, that there are already free alternatives available.
Still the Schlaumäuse are quite good work. They are orientated towards linguistic support and autonomy without overburdening the children. A lot of different games have been put together in one environment and if you earned enough cheese-points within the learning-games your award is to play the most fun game (basically an easier version of pacman).
The kindergarten teacher I spoke to was very pleased with the program. But she was also very interested in Free Software and in my objection that this is very early advertisement on the most subtle level. Still I was not able to recommend her an equivalent free alternative.
I’ve already tried some software like Kturtle and Sugar and other small applications but non of those offered such a fully-fledged learning platform like Schlaumäuse.
We definitely need something that offers a full learning platform and comes with a good handbook and leaflets etc.
Otherwise Microsoft will succeed advertising its products in the very early years of our children.
Our challenge is now to compete with this and to bring our alternative to the kindergartens and primary schools.
I would do the latter, who is in for the first?

Brief an die „Alt-Revoluzzer“

Dieser Brief ist an alle Menschen gerichtet, die sich gemeint fühlen. Das sind wohl in erster Linie die, die sich selbst als „Alt-Revoluzzer“ verstehen, oder von anderen als solche verstanden werden. Wenn dir jemand diese Seite empfohlen hat, dann würde er dir wohl einen ähnlichen Brief schreiben und tut es auf diesem Wege indirekt. Wenn dir dieser Brief gefällt, fühle dich frei, ihn auch an andere weiterzuleiten.

Liebe Alt-Revoluzzer,

vor fast einem halben Jahrhundert habt ihr euch für eine neue Wertsetzung eingesetzt. Ihr vertratet freiheitliche, demokratische und auf den Menschen fokussierte Ideale, welche die Gesellschaft verändern sollten, und wart damit teilweise erfolgreich. Einige der damaligen Träume sind in Erfüllung gegangen, andere auf der Strecke geblieben. Dabei drängt sich gerade angesichts der nahenden Bundestagswahl die Frage auf, wie viel davon denn heute noch übrig ist.
Die Wählerinnen und Wähler haben immer weniger das Gefühl, dass der Gang zur Wahlurne noch Auswirkungen hat und viele sind der Meinung, dass die Politik mehr einem Kasperletheater gleicht, in dem die wahren Wünsche der Menschen kaum noch Gehör finden.
„Jede Generation braucht ihre Revolution“. Jeffersons Zitat scheint seine Wahrheit zu haben. Man richtet sich zu schnell auf altbekannten Wegen ein, was zu gefährlichen, einseitigen Sichtweisen führt. Da braucht es die Jungen, die neue Perspektiven entwickeln. Ihr habt in den letzten 50 Jahren große Arbeit geleistet. Jetzt sind wir gefragt.
Wieder steht eine „Revolution“ an doch sie unterscheidet sich inhaltlich von der eurigen gar nicht mal so sehr. Sie ist eher eine Art Fortsetzung.
Dabei haben wir mit unserem Kampf im Vergleich zu eurem sowohl Vorteile als auch Nachteile. Unser größter Nachteil ist wohl die Bequemlichkeit bzw. Verdrossenheit zu überwinden und Menschen zu mobilisieren. Denn die Missstände äußern sich eher indirekt und lösen daher kein akutes Gefühl der Not aus. Andererseits ist unser bedeutendster Vorteil die neue Technik, die uns zur Verfügung steht. Mit Hilfe des Internets haben wir Möglichkeiten, deren langfristiges Ausmaß heute nur erträumt werden kann. Zweifelsfrei haben wir eine andere Kultur und eine etwas andere Herangehensweise als ihr. Und erfahrungsgemäß kann die ältere Generation die Kultur der Jungen oft nicht so gut verstehen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die politischen Ziele einander widersprechen.
Wir brauchen eure Unterstützung. Nehmt euch ein wenig Zeit, unsere Ideen zu verstehen und nehmt uns in der Weise ernst, in der ihr damals auch ernst genommen werden wolltet. Ihr habt nun die Möglichkeit, es besser zu machen als eure Elterngeneration indem ihr uns unterstützt. Denn ohne eure Vorarbeit stünden wir ohnehin nicht dort, wo wir heute stehen. Lasst euch nicht von unserer jugendlichen Kultur ablenken, die ihr vielleicht nicht so recht versteht.
Die Ziele, die wir verfolgen gleichen den euren an vielen Stellen:

Anders als viele denken, ist das Internet viel mehr als nur ein Warenhaus, indem man sich Produkte und Informationen kaufen kann. Es verbindet Menschen auf der ganzen Welt miteinander und ermöglicht es ihnen, sich auszutauschen, zu organisieren und einander zu unterstützen. Auf diese Weise können wir unser gemeinsames Wissen viel besser bündeln, erweitern und verbreiten. Dies könnte uns helfen, gemeinsame Wege zu finden und zu einer ganz neuen Form der Demokratie zu kommen. Eine Demokratie, die nicht von Lobbyverbänden und Wirtschafts- oder Machtinteressen beeinflusst wird. Daher wehren wir uns dagegen, dass das Internet darauf reduziert wird, der verlängerte Arm des Kapitalismus zu sein. Kein Wunder, dass es einige gibt, die das stört.
Spätestens seit dem 11. September 2001 wurden in immer größerem Ausmaß Grund- und Bürgerrechte unter dem Vorwand der Sicherheit verwässert und sogar außer Kraft gesetzt. Viele dieser Rechte sind jedoch notwendig, damit Demokratie überhaupt möglich ist. Es ist sehr schädlich für die Demokratie, wenn ständig in den Menschen Angst vor anonymen Bedrohungen, wie dem „internationalen Terrorismus“, erzeugt wird. Ein aufgebauschtes Szenario, dessen reale Gefahr jedoch wesentlich geringer ist, als beispielsweise das Autofahren. Letzteres fordert jährlich erheblich mehr Menschenleben, als der sogenannte „internationale Terrorismus“, was allerdings nicht dazu führt, dass auch vor den Gefahren des Straßenverkehrs derart deutlich gewarnt wird, bzw. verkehrsbehindernde Gesetze erlassen werden.
Ebenso schädlich für die Demokratie ist es, wenn die Bürger sich ständig beobachtet fühlen. Ein Mensch, der sich einer dauerhaften Überwachung ausgesetzt sieht, ändert sein Verhalten, versucht nicht aufzufallen, neigt eher dazu, sich anzupassen. Somit beschneidet Überwachung die Freiheit der Menschen und beraubt sie daher eines wichtigen Grundrechts, zumal Freiheit eine wichtige Voraussetzung für Demokratie ist.
Wir beobachten, dass unsere Demokratie mehr und mehr ausgehöhlt wird und nur noch auf dem Papier besteht, während immer weniger Macht tatsächlich vom Volk ausgeht. Darin sehen wir auch den Grund für größer werdende Politikverdrossenheit.
Wir sehen ein großes Potential zur Re-Demokratisierung des Systems im Internet. Vor diesem Hintergrund ist beispielsweise auch die Blogger-Szene zu sehen, die immer wieder kritisiert, dass die Medien allzu häufig manipulativ berichten. Blogger sind Menschen, die selbst Nachrichten sammeln, im Internet verbreiten und damit allen ermöglichen an bessere Informationen heran zu kommen. Darum ist klar, dass uns alle Bestrebungen der Regierung zur Einführung von Zensurmechanismen aufs äußerste beunruhigen.
Kultur und Wissen werden immer mehr durch kapitalistische Prozesse gesteuert und den Profitinteressen des Kapitals untergeordnet. Wir finden jedoch, dass es sich bei Kultur und Wissen um Allgemeingüter handelt, die für eine funktionierende Demokratie unbedingt allen zugänglich gemacht werden müssen. Dabei ist uns sehr wichtig, dass die Schöpfer von Kultur und Wissen endlich eine angemessene Vergütung erhalten. Wir fordern nicht die Abschaffung des Urheberrechts sondern dessen grundlegende Überarbeitung. Denn das derzeitige Gesetz schützt weder die Künstlerinnen noch die Bürger sondern die Industrie, die an diesem Markt am meisten verdient. Es wird der Realität mit ihrer rasanten technischen Entwicklung nicht mehr gerecht und kann auch nicht durch eine immer weiter betriebene Ausweitung der Kontrolle des Internets erhalten werden. Unsere Ideen darauf zu reduzieren, dass wir lediglich umsonst Musik und Filme runterladen wollen, verkennt unsere Argumentation und nimmt uns somit nicht ernst.
Wir haben erkannt, dass das Internet grundlegende Veränderungen mit sich bringt und wollen uns dafür einsetzen, dass wir sowohl die Vorteile nutzen, als auch die Gefahren sehen und mit ihnen umgehen können. Dafür ist es jedoch wichtig, sich mit dieser Thematik ernsthaft zu beschäftigen und sie nicht nur als Randphänomen zu betrachten.
Wir setzen uns für mehr Transparenz in der Politik ein. Wir fordern die Beteiligung der Bürgerinnen an der Gestaltung unserer Welt statt Show-Politik und Verdummungs-industrie.
Politik soll wieder primär auf das Wohl aller Menschen ausgerichtet sein. Forschung und Wissen, welche durch Steuern finanziert werden, sollen dem Volk auch zur Verfügung gestellt werden, Kultur soll sich frei entwickeln können ohne allmächtige Verlage, die längst nicht mehr nach Qualitätskriterien auswählen, wer erfolgreich sein darf. Das Patentrecht muss wieder in ein Gleichgewicht mit den Ansprüchen der Allgemeinheit gebracht werden. Genauso wie das Urheberrecht. Die Bürger sollen wieder ernst genommen werden und die Verantwortung übernehmen.
Die größte Chance des Internets sehen wir in einer grundlegenden Erneuerung unseres politischen Systems hin zu mehr echter Demokratie und sozialer Gerechtigkeit.

Übrigens sind wir nicht alles Piraten. Die Piratenpartei ist wohl am häufigsten in den Medien, aber unsere Bewegung ist viel größer. Die Piratenpartei geht zweifelsohne daraus hervor, doch viele unserer Ideen werden im nicht-politischen Umfeld übertragen und unser Wirken beschränkt sich bei Weitem nicht nur auf die Politik in den Parlamenten.

Ihr seid damals für mehr Gleichberechtigung und Chancengleichheit auf die Straße gegangen. Ihr habt beim Widerstand gegen die Volkszählung schon erkannt, welche Gefahren derartige Bestrebungen mit sich bringen. Im Vergleich zu den heutigen Möglichkeiten war die Volkszählung ein Waisenkind.
Ihr habt euch gegen zu große Auswucherungen des Kapitalimus gewehrt und die Macht und Engstirnigkeit der Obrigkeiten angeprangert. Ihr fordertet freien Zugang zur Bildung für alle, was leider ebenfalls noch lange nicht durchgesetzt ist. Euer Ziel war größere Freiheit in der individuellen persönlichen Entfaltung. All dies hat durchaus Wirkungen auf die Gesellschaft gehabt. Doch die Ideale versickern und viele eurer Erfolge werden nach und nach wieder rückgängig gemacht: Vorratsdatenspeicherung, der Terrorparagraph, Bundestrojaner, das Gesetz zur Internetsperrung. Das alles sind Mechanismen, die in einem diktatorischen System fatale Folgen für das Volk hatten und haben. Ihr und eure Eltern musstet die Erfahrung, dass eine Diktatur schneller aufkommt als man denkt, bitter erleben. Man redet „gegen das Vergessen“, legt Kränze nieder und ist derweil im Begriff die gleichen Fehler zu wiederholen.
Und nun liegt es an der nächsten Generation, an uns, eure Arbeit aufzugreifen und weiter zu führen. Und wir werden aktiv. Doch dafür brauchen wir eure Unterstützung! Solidarisiert euch, informiert euch, nehmt uns ernst, helft uns!
Wir sind Menschen, die ihren frischen Geist einsetzen, um die Technik und die Strukturen neu zu bewerten und trotz allem den Glauben an eine neue Welt nicht aufgeben. Wir sind politisch vielleicht noch etwas unerfahren und gerade deshalb können wir eure Hilfe gut gebrauchen.
Es handelt sich also nicht wirklich um einen Gernerationenkonflikt, sondern eher darum, dass viele der älteren Generation noch nicht erkannt haben, dass wir uns für die gleichen Ziele einsetzen.
Nehmt uns ernst, wir sind aus dem selben Holz!

Was ihr tun könnt:
Informiert euch über Netzpolitik (z.B. auf Netzpolitik.org oder beim ChaosComputerClub oder bei der Piratenpartei)!
Sprecht mit euren Freundinnen und Freunden und erklärt ihnen, weshalb auch sie uns ernst nehmen sollten!
Seht euch Filme an wie „Good Copy Bad Copy“ oder „RIP“ oder „Us Now!“ oder „Steal this Film“ Teil 1 und Teil 2 die alle legal im Internet runterzuladen sind. Ladet dazu Freunde ein!
Der Elektrische Reporter hat auch ein paar gute Sendungen: Urheber 2.0 Teil 1 und Teil 2 oder Nerds oder auch Webwahlkampf Teil 1 und Teil 2
Lest Bücher wie „Free Culture“ von Lawrence Lessig (gibts auch auf deutsch) oder die Essays von Richard Stallman oder Texte über Freie Software, wie dieser hier.
Sendet diesen Brief weiter an eure Freunde.
Wählt die Piratenpartei in den Bundestag!

Freundliches Feuer von indymedia

Auf der letzten Freiheit statt Angst Demo hat es Übergriffe seitens der Polizei gegenüber Demonstranten geben. Das so etwas passiert ist für mich nichts neues. Netterweise gibt es endlich mal ein Video davon und wir haben einen Beweis für etwas, was schon viele in meinem Umfeld, mich eingeschlossen, erlebt haben. (Sonst hauen die -meiner Erfahrung nach- meistens die Kameraträger als erste um. Da haben sie wohl nicht aufgepasst. Oder die Technikaffinität des Demonstrationsvolks unterschätzt.)
Die Jungpiraten Berlin haben daraufhin zu Montag zu einer Mahnwache aufgerufen und es sind auch einige gekommen. (Ich möchte dazu sagen, dass das die überhaupt erste Veranstaltung war, die die Jungpiraten geschmissen haben, wofür sie einen knappen Tag Zeit hatten.)
Nun gibt es auf indymedia.org (eine Seite, von der ich viel halte) einen Kommentar dazu, den ich gerne kommentieren möchte:

Viele Piraten haben tatsächlich wesentlich weniger unangenehme Erfahrung mit der Polizei gemacht, als viele linke. Da ist es vielleicht etwas naiv, aber bestimmt nicht unverständlich, wenn man zunächst nicht davon ausgeht, dass Polizei grundsätzlich böse ist. Zumal man ohnehin nicht nur in der Schule lernt, dass die Polizei immer ganz toll ist.
Nun wird die Rede kritisert (die ich nicht vollständig gehört habe, weil ich kurz weg war), in der die Polizeigewalt sogar verteidigt wird. Mir hat auch einiges daran nicht gefallen. Jedoch machte ich mir bewusst, dass nicht jede(r) schon mal unschuldig von einem Wasserwerfer weg gespült worden ist. Die Piraten geraten erstmals mit Themen in Kontakt, mit denen sich viele (ich sag jetzt mal) aktive linke schon sehr lange beschäftigen. Ist es da wirklich so schlimm, dass sie noch nicht alles in seiner vollen Tragweite erfasst haben? Bzw. ist es wirklich die einzig richtige Einstellung, dass Polizei komplett abgeschafft gehört?

An anderer Stelle müssen die Piraten dauernd erklären, wie Kinderpornografie denn anders bekämpft werden soll und weisen mit Recht auf unterbesetzte Ermittlungsbehörden in Sachen Kindesmisshandlung hin.

Wenn wir die totale Abschaffung der Polizei fordern, werden wir damit etwa so ernst genommen, wie die Feministinnen, die nach „der Salzstreuerin“ fragen. Beides hat das Ergebnis, dass ein ansich unglaublich wichtiges Thema an Bedeutung verliert, weil viele die Forderung für überzogen halten. Aber gerade hier ist es unglaublich wichtig, ernst genommen zu werden.

Jahrelang wurden linke Aktivisten nicht ernst genommen, wenn sie von Polizeigewalt berichteten. Nun versucht es die Piratenpartei mit einem anderen Weg: Wir fordern nicht die totale Abschaffung der Polizei, sondern eine transparentere Polizei, in der derartige Fälle (wie sie tagtäglich passieren) nicht mehr vorkommen, weil Konsequenzen für die entsprechenden Beamten nicht die Ausnahme, sondern die Regel darstellen. Und damit haben wir eine wesentlich größere Hoffnung, ernst genommen zu werden. Klar können wir einfach alle auf das System scheißen. Wir können aber auch versuchen, es zu verändern. Und von außen geht das nun mal nicht so gut.

Ich hoffe, dass die linken nicht einen ihrer Lieblingsfehler machen und am meißten auf ihre eigenen Verbündeten eindrischen, nur weil die die falsche Hosenfarbe tragen. Versaut uns nicht die Chance hier endlich tatsächlich etwas zu erreichen, nur weil viele von uns noch nicht so häufig von der Polizei verprügelt wurden wie ihr. Beachtet, dass viele von uns noch nicht so lange im politischen Geschehen zu Hause sind und vieles noch im Entstehungsprozess ist. Wenn wir eurer Meinung nach etwas nicht richtig verstanden haben, kommt auf uns zu und erklärt es uns. Mit solchen Kommentaren bewirkt ihr leider den Effekt, dass wir (und hier verstehe ich mich selbst als linke, die schon lange vor der Gründung der Piratenpartei für linke Werte gekämpft hat) wieder einmal zu zersplittert da stehen, um am Ende noch genügend Power zu haben und wenigstens die (wenn auch eventuell lächerliche) Kennzeichnungspflicht durchzukriegen.
Wir stehen für die gleiche Sache ein, auch wenn euch unsere Forderungen eventuell nicht weit genug gehen.

Ich persönlich habe sehr große Angst vor der Polizei. Noch mehr Angst habe ich übrigens vor privaten Überwachungsunternehmen. Und die wären (in diesem Wirtschaftssystem) die Konsequenz aus der Abschaffung der Polizei. Ich kenne andererseits auch Polizisten und Polizistinnen (eine davon habe ich auf der Mahnwache kennen gelernt), die absolut keine Hooligans sind und auch nicht aus diesem Grund zur Polizei gegangen sind. Die möchte ich in der ganzen Diskussion nicht vergessen wissen, weil es davon auch einige gibt.

Wir können also Staat und Repression und den Kapitalismus (weil der ja an allem schuld ist – und das meine ich ohne Ironie) die ganze Zeit unter Prügel beschimpfen und bekämpfen (was bisher noch nicht so erfolgreich war) oder es auf einem anderen Weg (der bisher zugegebenermaßen ebenfalls nicht erfolgreich war), nämlich Schritt für Schritt und unter weniger körperlicher Schäden, versuchen. Egal, welchen Weg wir einschlagen, wir sollten die, die den anderen Weg wählen, nicht dafür verurteilen.

Die Piraten möchten mit ihren Forderungen ernst genommen werden und die Tatsache, dass es nun endlich mal ein Video zu Polizeiübergriffen gibt hängt ja auch mit unserer Stärke (immer und überall eine Kamera dabei zu haben) zusammen. Wie in anderen Blogs festgestellt wurde, trägt die Piratenpartei ein Thema in die Mitte der Bevölkerung, das bisher seinen Platz nur am Rand hatte. Darüber sollten sich alle, die Kritik an der Polizei üben freuen. Konstruktive Kritik ist immer herzlich Willkommen. Wir können einiges von einander lernen, wenn wir einander (gegenseitig!) ernst nehmen.

FSFE invites german citizens to ask their deputies about Free Software

FSFE (and especially I) started a little campaign to bug our deputies a little in the final stage on the hustings. On the Fellowship-Wiki we invite german citizens to write to their deputies with the help of Abgeordnetenwatch and ask questions about Free Software.
The Idea is, that the deputies not only get aware, that people have an interest in supporting Free Software, they also have to learn a little about Free Software if they want to be able to answer propperly. Or maybe they hear about that for the first time and have to look it up at Wikipedia.
However, our deputies are not often so keen to show that they are listening to the citizens and care about their interests. So we should really take the opportunity to get noticed and all ask about Free Software. The more people join, the bigger effect we’ll have.
Visit the Fellowship-Wiki to take part and get informed about what our deputies have to say about Free Software!

Die wahre Prioritätensetzung der Union.

Dass die Petition jetzt über 130 000 Unterschriften hat und damit die bisher größte Onlinepetition geworden ist, ist ja ein echter Erfolg und zeigt, wie unerwünscht das Gesetz zur Internetsperrung ist. Dass Ursula von der Leyen wo sie geht und steht von Zensursulaplakaten begleitet wird irgendwie auch. Mittlerweile hat es sich die SPD auch total versaut, weil sie bei ihrem Parteitag das Thema nicht behandelt hat, „da die Diskussion medial unerwünscht ist„. Die passende Demo gibt es auch schon wobei die Hoffnung, als Volk in der Herrschaft des Volkes noch was zu sagen zu haben immer weiter verblasst.
So schwanken wir hin und her zwischen Erfolg und dem endgültigen Glaubensverlust an demokratische Prozesse und merken kaum mehr, wenn die CDU in einer Presseerklärung so was hier raus haut:

Unter Berufung auf eine angebliche Internetzensur durch den Staat wollten die Linksaußen in der SPD durchsetzen, dass das Internet zum rechtsfreien Raum wird. Die SPD wäre dadurch Gefahr gelaufen, Straftaten im Internet Vorschub zu leisten, von der Vergewaltigung und Erniedrigung kleiner Kinder bis hin zu Urheberrechtsverletzungen in breitestem Ausmaß gegenüber Künstlern und Kreativen.

Wenn ich mich recht entsinne nennt man bei der Verwendung „bis hin zu…“ das kleinere (in dem Fall) Übel als erstes und das große zuletzt.
(Beispielsatz: Von kleinen Fischen bis hin zu den ganz großen Bossen waren alle anwesend. – Anders herum würde diese Formulierung irgendwie seltsam klingen, oder?)

Da sehen wir mal die Prioritätensetzung der CDU: von der Vergewaltigung kleiner Kinder bis hin zu Urheberrechsverletzungen. Die Vergewaltigung kleiner Kinder wird an der Stelle des kleineren Übels genannt! (Freud lässt grüßen!)
Und dann sehen wir, was die Kinderpornografie für die CDU ist: das Vorhängeschild. Eine Moralkeule, mit der man alle erschlagen kann, die sich gegen das was dahinter steckt wenden. Aber die wahre Priorität ist offensichtlich: Der Kampf gegen Kinderpornografie hätte die nie interessiert, wenn es ihnen nicht zu etwas dienen würde. Und das ist das ekelhafte an der Sache. Das was sie den Zensurkritikern vorwerfen, machen sie selbst in viel perfiderer Art und Weise: Sie instrumentalisieren das Thema für ihre Zwecke und vermitteln den Eindruck, dass sie sich darum kümmern, während sie nicht einmal die eigentlichen Opfer befragen, und im Endeffekt ein beruhigtes Gewissen auf ein ungelöstes Problem legen.

Das ist einfach nur widerlich!

Seminar zum Bildungsstreik in Potsdam: Netzpolitik und (Freie) Software als emanzipatorisches Thema

Am Dienstag, 16.6.09 um 10.00 Uhr gebe ich im Rahmen des Bildungsstreiks. Treffpunkt ist das Café Eselsohr am Campus Griebnitzsee an der Uni Potsdam.
Würde mich freuen, wenn es der eine oder die andere einrichten könnte zu kommen. Und darum wird es gehen:

Netzpolitik und (Freie) Software als emanzipatorisches Thema

Software und das Internet werden in unseren Leben immer wichtiger und kontrollieren bzw. koordinieren einen immer größer werdenden Lebensbereich. So wie vor 30 Jahren die Umweltpolitik darum kämpfte ernst genommen zu werden, ist es heute die Netzpolitik, die um Aufmerksamkeit kämpft.
Wer Software bedienen kann, hat große Vorteile, hat Macht; wer sie herstellen und kontrollieren kann, noch mehr. (Dafür muss man sich nicht die Trojaner und Viren ansehen, die im Internet kursieren. Es reicht sich vor Augen zu führen, wie groß beispielsweise die Zeitersparnis ist, die eine gute Literaturverwaltung bei der Abschlussarbeit bringt. Zeit, die man in den Inhalt der Arbeit stecken kann und somit zum Vorteil wird.) Wer Software kontrolliert, die Millionen Menschen benutzen, hat Macht, die meistens von keinem demokratischen Mechanismus kontrolliert wird. Wer von Technik (in diesem Fall Software) abhängig ist, die er/sie nicht bedienen kann begibt sich in Abhängigkeit von denen, die es können. Gerade deshalb ist es so verwunderlich, warum die meisten Frauen auf eine Beteiligung an dieser „Macht“ gar nicht so viel Wert legen.
Dabei kann die Netzpolitik-Bewegung die weibliche Partizipation sehr gut gebrauchen und wirbt auch darum. Die Freie-Software-Bewegung hat gezeigt, dass es sich um eine hochpolitische Thematik handelt, die Frauen auch fernab von Technik, auf politischer Ebene ansprechen kann.
Im Seminar soll erörtert werden, weshalb die Beteiligung der Frauen an Computerthemen, besonders auch aus emanzipatorischer Sicht, so wichtig ist, welche Beiträge Frauen in der Netzpolitik leisten und auf welche Wege Frauen für das Thema gewonnen werden können.
Termin: Dienstag, 10.00 Uhr Treffpunkt Café Eselsohr, Griebnitzsee