Sonntagsbriefe

Politik ist schwer und anstrengend. Nicht immer hat man Zeit und Kraft auf eine Demo zu gehen. Ich habe für mich einen Weg gefunden, dennoch nach Kräften auf die Politik einzuwirken: Ich schreibe Briefe.

Briefe haben nämlich eine weitaus größere Wirkung als E-Mails, was wir regelmäßig unterschätzen. Selbst wenn diese nicht bis zur adressierten Person vordringen, haben doch die Mitarbeitenden die Briefe gelesen und mit etwas Glück bleibt etwas hängen, was sie dann in einem Gespräch erwähnen. (Oder was sie nicht mehr loslässt und wochenlang beschäftigt. True Story.) Das passiert besonders dann, wenn es zu einem Thema viele Briefe gibt.

Mein Vorsatz ist daher: Jeden Sonntag schreibe ich einen Brief zu einem bestimmten Thema und schicke ihn an verschiedene passende Menschen in der Politik.

Ich gehe dabei nach folgenden Grundsätzen vor:

  • Ich adressiere bewusst diejenigen, die noch überzeugt werden müssen. Also den „politischen Gegner“.
  • Ich bleibe dabei respektvoll und freundlich. Ich konzentriere mich auf Argumente, die für die adressierten Personen und ihr Weltbild überzeugend sein dürften.
  • Ich gebe keinen Hinweis darauf, dass ich als Wählerin ohnehin schon verloren bin. Falls ich zu einer Gruppe gehöre, die stereotyp eine andere Ansicht vertritt, weise ich darauf hin. (z.B. Wenn ich bessere Fahrradinfrastruktur fordere, betone ich, dass ich dies ausdrücklich als Autofahrerin tue, bzw. beide Verkehrsmittel nutze. )
  • Ich adressiere meine Volksvertreter.innen. Das können Bundestagsabgeordnete und Bundesminister.innen sein aber auch der oder die gewählte Abgeordnete aus meinem Wahlbezirk und natürlich die jeweiligen Themenpolitiker.innen in meinem Lokalparlament, sowie mein Bürgermeister oder meine Ministerpräsidentin. Auch Personen auf Schlüsselpositionen wie Parteivorsitz, Fraktionsvorsitz oder Ausschussarbeit könnten gut klappen. Ich versuche, nicht immer die selben zu adressieren.
  • Wenn ich ihn schon geschrieben habe, schicke ich den Brief gerne gleich an mehrere Personen.
  • Der Brief darf nicht länger als eine Seite sein.
  • Eine Botschaft pro Brief.
  • Adressen findet man in der Regel sehr einfach mit einer kurzen Internetrecherche. Wahlkreisbüros oder Abgeordnetenbüros gehen gleichermaßen.
  • Ich schreibe unter Klarnamen und mit Absender. Sie sollen mir schließlich antworten können.
  • Ich frankiere mit einer klassischen Briefmarke. Der Brief soll auch von außen aussehen, wie ein Brief vom Volk.

Inspiration zum Mitmachen

Da ich nun schon mehrfach danach gefragt wurde, möchte ich manche Briefe zur Inspiration veröffentlichen. Denn je mehr Leute mitmachen, desto mehr Wirkung entfaltet es. Allerdings wirken sie um so besser, wenn es nicht nach Kopierpaste aussieht. Deshalb bin ich sehr verbunden, wenn ihr großzügig Dinge verändert und / oder andere Personen adressiert.

Mein erster Brief richtete sich an verschiedene Unions-Abgeordnete im Bund und einige in Berlin (also meine Lokalpolitiker.innen). Es ging dabei um ein Prüfverfahren der AfD. Hauptargument ist „Rechtssicherheit herstellen“ – das müsste in Unionsohren doch am besten funktionieren.

Warum keine E-Mail?

E-Mails kriegen die jeden Tag zuhauf. Briefe werden seltener. Sie fallen deshalb mehr auf. Außerdem rutscht eine Mail in der Liste schnell nach unten. Ein Brief liegt auf dem Schreibtisch herum. Selbst wenn er unter andere Dokumente gerät: Spätestens beim nächsten Aufräumen, hält man ihn wieder in der Hand. Um ihn loszuwerden muss man ihn aktiv entsorgen. Bei einer E-Mail reicht Nichtstun, damit sie verschwindet.

Es ist übrigens ebenfalls sehr wirksam, in den Büros anzurufen. Auch das kommt einfach seltener vor und wenn man es richtig anstellt, beschäftigt man dann eine Person eine halbe Stunde mit dem Thema. Im persönlichen Gespräch können sie sich auch viel schlechter rausreden. Aber Diskussionen sind nicht jederfraus Sache und für die ist ein Brief doch genau das Richtige.


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