Spitzerfindigkeiten

Manfred Spitzer bringt mit seinem Buch „Digitale DemenzWirbel in unsere schöne neue Computerwelt. Letzten Sonntag saß er bei Günther Jauch. Ich finde es faszinierend, wie Spitzer es hinkriegt, so nah dran an einer wichtigen Erkenntnis zu sein und gleichzeitig so daneben liegen kann.

Da ich mich mit digitaler Mündigkeit und Technikpaternalismus beschäftige, triggert Spitzer mich natürlich besonders an. Ich betone oft, dass wir uns genau überlegen müssen, wie wir die digitale Technik gestalten wollen. Natürlich müssen wir uns überlegen, welche unerwünschten Konsequenzen unser Fortschritt hat, wie wir diese vermeiden können, oder ob und unter welchen Bedingungen wir damit leben können.

Die Frage, die Spitzer eigentlich stellen müsste lautet:

Wie müssen wir unsere Technik gestalten, damit sie uns nicht dumm macht?

Oder unmündig, wie ich anfügen möchte. Leider war die Sendung von Herrn Jauch recht unerquicklich und blieb sehr oberflächlich.

Ich kann mir den Seitenhieb nicht verkneifen, dass ich die Darstellung der Geschlechterrollen unmöglich fand: Die einzige Frau auf dem Panel war natürlich internetkritisch und die Gefahren für Kinder wurden nur in Bezug auf Jungs diskutiert. Natürlich! Vielen Dank! Das wird Mädchen ganz sicher inspirieren, sich nicht digital abhängen zu lassen m(

Bevor ich mich jetzt im Thema versteige und abschweife, schnell zurück zur Stoßrichtung meines Arguments: Die einzige „Erkenntnis“, die aus der Jauch-Sendung geblieben ist, war folgende:

Eltern, kümmert euch um eure Kinder!

Das hat Ranga Yogeshwar dankenswerterweise so schön auf den Punkt gebracht.

Eltern, kümmert euch um eure Kinder. Begleitet sie bei der Entwicklung ihrer digitalen Mündigkeit. Weist sie auf die Gefahren hin, stellt Fragen, habt Interesse dafür, was sie da tun.

Leider kamen sie in der Diskussion von diesem Punkt dann aber nicht auf den notwendigen nächsten Schritt und schwiffen wieder ab zu den armen unterprivilegierten Kindern, deren Eltern… naja wie sich intelligente, privilegierte Oberklässler das eben vorstellen. (Ich kenne genügend „Unterprivilegierte“, denen das Internet der letzte Zugang zu Herrschaftswissen darstellt und die ohne Computer bereits endgültig abgehängt wären.)

Was ist denn nun der notwendige nächste Schritt, den Jauch und Co nicht geschafft haben? Der wurde durch Petra Gerster eigentlich ziemlich schön verkörpert: Selbst wenn Eltern ihre Kinder im Umgang mit dem „neuen Medium“ begleiten wollen, sind sie damit meist total überfordert. Und wie sollten sie es auch nicht sein? Als sie jung waren, gab es das alles noch nicht. Sie können also nicht von ihrer eigenen Erziehung Schlüsse ableiten, wie sie es machen wollen oder sollen.

Es ist eben nicht nur wichtig, die Kinder direkt zu fördern. Es ist essenziell, auch Eltern zu beraten, wie sie ihre Kinder am besten im Umgang mit dem Internet unterstützen können, und warum sie das auch tun sollten.

Genau aus dem Grund biete ich einen etsprechenden Vortrag an: Die Elternfragestunde. Und bisher hat sich gezeigt: Wenn Eltern mal die Möglichkeit haben, Fragen zu stellen, dann nutzen sie diese äußerst dankbar.

Es braucht mehr Veranstaltungen zur Unterstützung von Eltern, die wiederum ihre Kinder unterstützen müssen. Darin sollte investiert werden, nicht in einen sinnlosen Kampf gegen eine Technologie, die sich ohnehin längst etabliert hat.


Kommentare

Spitzerfindigkeiten — 1 Kommentar

  1. Voll schön – nur „Unterstützung von Eltern“… ist super schleimig, wenn ein GroßTeil nur etwas egopathische Erzeuger sind.

    Sag mal, bist Du für nen – durchaus erst mal technisch orientierten ;) :D – http://www.LERNtag.de für Eltern, damit die nicht auf Knien um ein Facebook-Kompetenz-Seminar bei ihren Semi-Starken betteln müssen?

    Grade beim Internet gilt doch http://de.wikipedia.org/wiki/Dunning-Kruger-Effekt, nicht?
    #lachMal Okay, ich halte jetzt meinen Kruger-Rand!

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