Solidarität zum Weltfrauentag

Der Feminismus erlebt dieser Tage eine aufregende Zeit. Zum einen scheint es wieder en vogue, dass bekennende Frauenhasser in hohe Ämter gewählt werden, der Rückwärtstrend in Sachen Frauenrechte zeigt sich in Polen, im Iran, den USA und auch in Parteien wie der AfD. Ein Mann, der öffentlich sagte, es sei ok, Frauen ungefragt an die „Pussy“ zu greifen, wird zum Präsidenten der USA gewählt und darf nun Vorbild in Sachen Sexismus werden, dem tausende, nein millionen junger und alter Männer nacheifern dürfen.

Heejab_CC-by-2_Khashayar Elyassi

 

Zum anderen – und das stand ja zu hoffen – erfährt gerade dadurch die Frauenbewegung (notgedrungen) einen neuen Schub. Dieser ist sehr zu begrüßen, denn Diskriminierung aufgrund des Geschlechts ist selbst in den fortgeschrittensten Ländern (wie Schweden) noch lange nicht besiegt. Fast gleichzeitig mit diesem Schub begann aber auch eine Desolidarisierung, die schon Simone de Beauvoir durch die Verteilung der Frauen über alle Stände (und Hautfarben, wie ich anfügen möchte) erklärte. Es ist schwer, eine gemeinsame Bewegung zu schaffen, wenn uns dabei verschiedene andere Privilegien (Bildung, Reichtum, Religion und Hautfarbe) einen Strich durch die Rechnung machen. Die leider sehr berechtigte Kritik am „white feminism“ macht uns schmerzhaft darauf aufmerksam, dass weiße Frauen ebenso gut diskriminieren können, und genau in die selben Fallen tappen können wie Männer, wenn es darum geht, Menschen unsichtbar zu machen, die ihr Privileg nicht teilen.

Die Sache mit dem geistigen Eigentum

Die Sache mit dem geistigen Eigentum

Ich gerate mit dem Begriff des „geistigen Eigentums“ immer wieder aneinander. Dabei stößt er mir sowohl politisch, als auch sprachphilosophisch unangenehm auf.
In der Enquête-Kommission digitale Gesellschaft habe ich eine kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff angetreten. Doch die Kompromissmaschine hat da natürlich auch wieder vieles weichgespült.

Hier meine unverblümte Einstellung zu dem Thema:

Zunächst: Ich unterscheide zwischen einer sprachphilosophischen und einer inhaltlichen Kritik des Begriffs. Denn Wittgenstein hat sehr schön gezeigt, wie viele Probleme allein dadurch entstehen, dass ein Begriff nicht klar differenziert wurde und man somit quasi aneinander vorbeiredet.
Den Koalitionspolitikern in der Enquete habe ich das wie folgt erklärt:

Anne und Jutta wollen ein Haus bauen. Anne findet, dass Bretter ein gutes Material dafür sind, Jutta bevorzugt Steine. Anne schlägt Jutta vor, das Haus aus „Stöckchen“ zu bauen, wobei sie damit Holzbretter meint. Jutta erscheint das absurd und schlägt „Kiesel“ vor, wobei sie große Backsteine vor Augen hat. Die beiden streiten sich sehr lange denn für jede erscheint das vorgeschlagene Material als absurd. Würden sie ihre Begriffe klären und einander erklären, was sie unter dem Begriff verstehen, könnten sie sich möglicherweise darauf einigen, dass beide Materialien in Kombination vielleicht noch besser wären. Da sie jedoch aneinander vorbei reden, haben sie nie eine Chance das Problem zu lösen.

Flüssige Demokratie in der Enquête? Übungsstunden in Volksvertretung.

Seit mehr als einem Jahr trifft nun die Enquete-Kommission für Internet und Digitale Gesellschaft zusammen. Wenn ich erzähle, dass ich dort als Referentin tätig bin, werden mir oft die gleichen zwei Fragen gestellt:

  • Ist das nur ein Ablenkungsmanöver, welches die wichtigen Kräfte der Netzbewegung binden soll?
  • Ist es überhaupt sinnvoll, als Externe oder Externer über das Tool Adhocracy dort mitzuarbeiten?

Die erste Frage beantworte ich gerne mit: „Es kommt darauf an, was man daraus macht.“ Ich selber habe mich entschieden, die Enquête ernst zu nehmen. Ich nehme mit Freude wahr, dass Politiker in dieser Runde sehr viel dazu lernen und auch lernwillig sind. Manche ächzen mittlerweile, weil ihnen bewusst wird, dass sie nun versuchen müssen Positionen in ihre Parteien zu tragen, die dort so gar nicht vertreten werden. Auch die Netzvertreterinnen lernen eine Menge über real existierende politische Prozesse. Es ist innerhalb des Bundestags noch nicht geklärt, wer mit welchen Methoden die besseren Ergebnisse liefert.

Eine Besonderheit dieser Enquête ist, dass sie – en passant – bereits viele Ziele erreicht hat, sogar tatsächlich einige Revolutionen im Bundestag bewirkt hat (empfehlenswerter Artikel von Wolfram Sauer).

Meine neue Leidenschaft: Froschtituierten-Witze

So langsam kann ich wieder etwas besser tippen und so kehre ich endlich zurück in die digitale Welt. Ist schon erschreckend, wie einen der Verlust der Schreibfähigkeit aus dieser Welt ausschließt.

Wiedemauchsei: Ich melde mich hiermit zurück, bitte jedoch um Verständnis, dass ich mich auch weiterhin schriftlich noch etwas zurück halten muss.
… es gibt ja auch noch eine Magisterarbeit, die endlich fertig werden will.

Zur Feier, dass ich wieder schreiben kann (aber unter dem Wissen, dass ich mich nach wie vor zurückhalten sollte) hier mal was kürzeres, völlig political-incorrectes, das mir aber die Leidenszeiten versüßt hat:

Ich habe eine neue Leidenschaft.

Es fing damit an, dass mir neulich einer einen Witz erzählt hat.

Der geht so:
Was ist grün und steht am Straßenrand?
Na?
Kommt ihr nie drauf: Eine Froschtituierte.

Aus diesem mehr oder weniger mäßigen Witz stieß sich eine Welle los, von Witzen, die dieses Konzept aufgreifen. Ich nenne sie in Anlehnung an den ersten Witz dieser Sorte, der mir zu Ohren kam „Froschtituierten-Witze“.

Da ist zunächst die Frage:
Was ist blau und steht am Straßenrand?
Ganz klar! Eine Frosttituierte.

Und was ist gelb und steht am Straßenrand?
Die Postituierte.

Fußball und Männerfußball gleichermaßen ernst nehmen!

Ich finde es ja schon die ganze Zeit merkwürdig, dass die ganze Zeit von der „FrauenFußball-WM“ gesprochen wird. Gibt es denn noch eine andere?
In Schweden wird Fußball beider Geschlechter einfach Fußball genannt. Aus dem Kontext erschließt sich dort fast immer, welcher gemeint ist.
Zum Beispiel müsste doch eine WM im eigenen Land solch ein Kontext sein.
Daher habe ich mir zur Gewohnheit gemacht, von Fußball und Männerfußball zu sprechen.
Das führt mitunter zu amüsanten und vielsagenden Verwirrungen.
Bei fast allen, entstand dadurch zunächst für Verwirrung, dann verdrehten sie die Augen.
Aber folgendes Gespräch wollte ich euch nicht vorenthalten.

Habe den Namen geändert, es ist natürlich ein Gedächtnisprotokoll, hat sich aber ziemlich genau so abgespielt:

Ich: Was machst du in deiner Freizeit?

Tom: Ich spiele Fußball.

Ich: Oh schön! Ich finde es toll, dass auch Männer Fußball spielen. Die haben ja sogar ne eigene Mannschaft, oder?

Tom: Ach! Das nimmt doch keiner ernst!

Ich: Ach komm. Die gewinnen zwar nicht so oft eine WM, wie die Frauen, aber deswegen sollte man sie doch nicht weniger ernst nehmen!

Tom: Naja wenn sie ohne Trikot spielen würden, vielleicht höhö.

Ich: Die Männer?

Tom: Ja ja.

Gesichtsverlust bei Facebook

Irgendwie ist es allen bewusst: Facebook ist nicht so ganz koscher.
Aber andererseits hat es so viele praktische Funktionen und macht es so einfach mit all den Menschen in Kontakt zu bleiben, für die ich im real live nicht genug Zeit aufbringen würde, weil sie mir nicht wichtig genug sind.
OK das war jetzt gemein. Aber Fakt ist doch, dass Facebook eine üble Datenkrake ist und mit unseren Profilen ein riesen Geschäft macht.

Viele beruhigen sich damit, dass sie ihre Privatssphäreeinstellungen ja einstellen können und dann nur noch ihre Freunde an ihre Informationen ran kommen.
Und Facebook.
Kein Problem: „Als Wohnort habe ich Bahamas angegeben“ und auch die anderen Daten werden zum scheinbaren Schutz verfälscht. Dann weiß auch Facebook nichts über mich.
Nichts?
Oh nein! Definitiv nicht nichts.
Wusstet ihr, dass Facebook oft weiß, auf welchen anderen Seiten ihr surft, während im gleichen Browser Facebook geöffnet ist? Und hat euch noch nie gewundert, dass der „like“-Button auch ohne Eingabe eines Facebook-Passwortes funktioniert? Das sind Infos, die ich zwar auch vor Facebook verbergen könnte (z.B. indem ich die entsprechenden Cookies deaktiviere etc.), aber da die meisten davon gar nicht wissen, können sie auch nichts dagegen tun. Die denken dann weiterhin, ihre falschen Angaben zu Studienfach und co würde Facebook verwirren.
Und dann gibt es da noch die ganzen Daten, die meine Freunde über mich preis geben. Indem sie Fotos hochstellen oder unbedarft oder sogar unwissentlich meine Daten bekannt geben. Sogar dann, wenn ich gar nicht bei Facebook angemeldet bin.

Liebesbrief an den SMPlayer

I love Free Software!

Heute ist ja Valentinstag und den möchte ich mal nutzen, euch im Rahmen der I Love Free Software Kampagne der FSFE, ein Stück Software vorzustellen, ohne das ich ungerne leben würde: Der SMPlayer

Weshalb mache ich hier so platt Werbung für eine Software?
Seit dem Workshop Frauen am Netz in Berlin habe ich vor, gelegentlich ein paar hilfreiche Stücke Software vorzustellen. Auf diesem Workshop haben viele Frauen sehr viel Interesse an Infos über gute Programme geäußert und mir ist aufgefallen, dass sich viele unsicher sind, was gut ist und sich Software-Empfehlungen wünschen.
Und da habe ich mir überlegt, dass ich einfach gelegentlich mal gute Software empfehlen möchte und das eben aber in einer Sprache für „Normalsterbliche“. Und was würde sich als Auftakt für so eine Reihe besser eignen, als der „Ich liebe Freie Software Tag“ (äääh Valentinstag)? Versteht sich, dass ich keine proprietäre Software empfehlen werde.


Aber zurück zum SMPlayer:
Der SMPlayer ist die annähernd perfekte Kombination aus den Vorteilen von MPlayer und VLC-Player (=die gängigsten freien Mediaplayer. Den Windows Media Player möchte ich hier gar nicht erwähnen, da der unfrei und einen wirklich einschränkt).
Wobei er verwandschaftlich dem MPlayer näher steht, aber dennoch ein eigenes Software-Projekt ist.
Wofür das „S“ steht ist unklar, selbst die Entwickler behaupten, das nicht zu wissen. Spekulationen gehen von „Super“ über „Super Metroid“ (als Anspielung auf eine Nintendospielreihe) zu „surface“.

Geisterstadt Regierungsviertel – Von Barrieren und Bürgernähe

Seit im letzten November eine Briefbombe durch die normale Sicherheitskontrolle des Kanzleramtes aufgehalten wurde und somit die Kanzlerin nicht erreicht hatte sind ja rund um die Regierungsgebäude die Sicherheitsvorkehrungen erhöht worden. Man könnte zwar meinen, dass der Fund der Bombe ein Hinweis darauf ist, dass die Sicherheitsbestimmungen ausreichend sind, doch Bundestagspräsident Norbert Lammert ließ dennoch verstärkte Sicherheitskontrollen abhalten.
Da ich häufiger im Paul Löbe Haus unterwegs bin, hat mich das direkt betroffen.
Ich möchte jetzt nicht über die persönlichen Unannehmlichkeiten sprechen, die das bedeutete sondern eher meine Beobachtungen schildern:

  • Das gesamte Gelände rund um die Regierungsgebäude ist abgeriegelt, nur Menschen mit Bundestagsausweis (und deren Begleitung) dürfen diesen Bereich betreten. Das hat zum Ergebnis, dass das gesamte Gelände irgendwie gruselig ist. Wo sonst ein buntes Treiben herrscht und alle möglichen Menschen zwischen den gläsernen Bauten umher spazieren sieht man nur noch vereinzelte Schlipsträger und Polizeitrupps. Irgendwie riecht es hier ein bisschen nach Totalitarismus. Und das, wo doch die Gebäude extra so gläsern gebaut wurden, um die Offenheit zum Volk zu symbolisieren.
  • Die Polizei (jedenfalls die vor Ort) ist über keine erhöhte Sicherheitslage informiert. Man steht dort, weil Bundestagspräsident Lammert es so will.

Frauen und (Freie) Software

Auf den letzten Chemnitzer Linuxtagen habe ich ja einen Vortrag zum Thema Frauen und (Freie) Software gehalten.
Den gab es die ganze Zeit nur als Audio-File. Neulich, als ich mal wieder auf die Seite schaute, stellte ich fest, dass irgendwann in den letzten Monaten auch das Video dazugekommen ist.
Jetzt kann man sich den Vortrag also auch als Video ansehen.
Ich finde es ja super, dass die das machen. Allerdings finde ich es schon etwas merkwürdig, dass selbst der CLT die Videos mit flash einbindet.
Deswegen begrüße ich sehr, dass Torsten das Video zum download auf blip gelegt hat.

Zwischenzeitlich wurde sogar ein Torrent draus gemacht

Aufruf zur Hilfe: Filmprojekt gegen die Vorratsdatenspeicherung

Daniel Neun und ich haben ein Filmprojekt des AK-Vorrats gegen die Vorratsdatenspeicherung übernommen.
Darin geht es darum, dass viele Leute Videos eingeschickt haben, in denen sie unserem Innenminister erklären, warum sie gegen die VDS sind.
Um diese gut zusammenschneiden zu können, brauche ich eure Unterstützung:

Ich suche Leute, die Lust haben ein oder gerne auch mehrere dieser (ziemlich kurzen) Videos zu transkribieren.

Transkribieren bedeutet: Video ansehen und dabei wortwörtlich aufschreiben, was die Leute im Video sagen (inkl. „äh“s und so) und jede Minute die Videozeit zu notieren (wichtig!).

Alle Helferinnen und Helfer werden natürlich im Abspann dankend erwähnt werden. Gebt also bitte an, mit welchem (Nick-)Namen ihr da auftauchen wollt.

Wenn ihr das Projekt unterstützen wollt, schickt eine Mail an mail@leena.de ich weise euch dann eine Datei (oder mehrere) zu.

Gebt euch einen Ruck und unterstützt den Kampf gegen die Vorratsdatenspeicherung!

Let’s crowd-source!!

Update: Leider fand sich kein geeigneter Rechner an dem ich arbeiten könnte. Wenn sich jemand mit Premiere und Codecs auskennt (aka mir einen Arbeitsplatz einrichten könnte) oder das Projekt gerne übernehmen würde, bitte melden.