Solidarität zum Weltfrauentag

Der Feminismus erlebt dieser Tage eine aufregende Zeit. Zum einen scheint es wieder en vogue, dass bekennende Frauenhasser in hohe Ämter gewählt werden, der Rückwärtstrend in Sachen Frauenrechte zeigt sich in Polen, im Iran, den USA und auch in Parteien wie der AfD. Ein Mann, der öffentlich sagte, es sei ok, Frauen ungefragt an die „Pussy“ zu greifen, wird zum Präsidenten der USA gewählt und darf nun Vorbild in Sachen Sexismus werden, dem tausende, nein millionen junger und alter Männer nacheifern dürfen.

Heejab_CC-by-2_Khashayar Elyassi

 

Zum anderen – und das stand ja zu hoffen – erfährt gerade dadurch die Frauenbewegung (notgedrungen) einen neuen Schub. Dieser ist sehr zu begrüßen, denn Diskriminierung aufgrund des Geschlechts ist selbst in den fortgeschrittensten Ländern (wie Schweden) noch lange nicht besiegt. Fast gleichzeitig mit diesem Schub begann aber auch eine Desolidarisierung, die schon Simone de Beauvoir durch die Verteilung der Frauen über alle Stände (und Hautfarben, wie ich anfügen möchte) erklärte. Es ist schwer, eine gemeinsame Bewegung zu schaffen, wenn uns dabei verschiedene andere Privilegien (Bildung, Reichtum, Religion und Hautfarbe) einen Strich durch die Rechnung machen. Die leider sehr berechtigte Kritik am „white feminism“ macht uns schmerzhaft darauf aufmerksam, dass weiße Frauen ebenso gut diskriminieren können, und genau in die selben Fallen tappen können wie Männer, wenn es darum geht, Menschen unsichtbar zu machen, die ihr Privileg nicht teilen.

Linksverkehr im Kopf

Als ich als Jugendliche zum ersten Mal nach England fuhr, wurde ich von vielen Seiten gewarnt, den Linksverkehr nicht zu unterschätzen. Ich dachte mir nichts groß dabei. Ich konnte mir vorstellen, dass es beim Führen eines Wagens eine große Umstellung wäre und hatte dabei vor allem den Vorgang des Rechtsabbiegens vor Augen, dessen deutsches Pendant mir schon auf dem Fahrrad äußerst kompliziert erschien. DriveLeftIRL_cc-by-sa-3_Thjurexoell

Meine Mutter lieferte ein wertvolles weiteres Detail. „Denk daran auch, wenn du über die Straße gehst.“ Mir kam das überflüssig vor. Man schaut doch ohnehin in beide Richtungen. Wie wichtig dieser Hinweis war, wurde mir erst klar, als ich beinahe angefahren worden wäre, weil ich schon mal einen Schritt auf die Straße machte, während ich in der völlig falschen Richtung nach einem Auto ausschau hielt. Manche Dinge versteht man erst richtig, wenn man sie erlebt hat und versteht, wie sie zu Stande kommen.

Mit der Nachfrage, warum das so betonenswert sei (anstatt anzunehmen, alle hielten mich für unfähig, eine Straße zu überqueren) hätte ich schnell herausfinden können, dass man die Gefahr auch als Fußgängerin unterschätzen kann und wie diese entsteht. Mit allem, was ich wusste, hätte ich darauf kommen können, ohne es unfreiwillig selbst auszutesten.

Zeit für Freiheit: Tu was gegen Überwachung!

Du fragst dich, was man gegen die zunehmende Überwachung tun kann? Wir haben da was für dich. Nimm dir #ZeitfürFreiheit!

„Aufstehen statt Aussitzen“ ist das Motto der diesjährigen Demo „Freiheit statt Angst“ (FsA). Diese Botschaft ist nicht nur an die Bundesregierung gerichtet. Gemeint sind alle Menschen, die erkannt haben, welche Gefahren von der Totalüberwachung ausgehen, und sich dennoch bisher nicht spürbar dagegen empören.

Ja, genau: Du bist gemeint!

Wir dürfen von unserer Regierung nicht erwarten, was wir selbst nicht zu bringen bereit sind. Deshalb müssen wir zu erst bei uns anfangen, und uns für unsere Freiheit (vom Sofa) erheben. Über die Jahre konnte das Orgateam bei der Organisation der FsA-Demos eine gewisse Routine entwickeln. Doch wir sind keine Demodienstleister und können nicht alles alleine stemmen.
Der Widerstand muss aus der Mitte der Gesellschaft kommen! Das gilt auch für die Mobilisierung: Ohne euch geht’s schlicht und ergreifend nicht. Wir brauchen eure Zeit und euren Einsatz!

Ein Tweet ist nett, aber noch lange nicht genug! Wir brauchen Menschen, die mit Plakaten und Flyern durch die Städte ziehen, die Busfahrten organisieren und andere Menschen ermuntern und motivieren, am 30. August 2014 in Berlin mit zur Demo zu kommen. Investiere deshalb bitte auch du #ZeitfürFreiheit! Unterstütze uns bei der Demoorga und Mobilisation. Suche dir aus der folgenden Liste am besten gleich mehrere Punkte aus, setze sie um und erzähle anderen davon:

Standing on the Shoulders of Free Culture

This is a crosspost of an article that I wrote for Commons Machinery:

In her earlier post, Antje Käske mentioned that „intellectual creations are never the sole creation of one individual.“ I would go even further, stating that you can not claim ownership on intellectual goods at all. Why is that? The answer lies in the origin of an idea. If I was inspired by someone else, how do I determine which part of the idea is mine?

This makes more sense with an example. Let’s choose a simple one: I am hungry. My friend comes in, eating some fries. They smell delicious and I decide to get some for me too. So whose idea was it to get some fries? Since my friend had the idea (for herself) first, it seems obvious that it was her idea. On the other hand, I have been hungry a long time and fries did enter my mind as a possible solution. Also she did not think of bringing some fries for me otherwise she might have called to find out if I wanted some. The idea to get fries for me was clearly mine. But it was very much inspired by her. And she could easily say „Hey! You got fries for yourself. You copied me.“ That is partially true! Under these circumstances, it is not possible to define who owns which part of the idea to get me some fries.

Reise in den Überwachungsstaat – Indien als Widerstandsmotivator

Long time no write…(This blogpost is also available in english.)

Aber ich habe für Digitalcourage einen Beitrag zu Überwachung in Indien geschrieben, den ich hier einfach mal crossposte. Dieser Text wurde dankenswerterweise von Sebastian Lisken übersetzt und ist daher auch in Englisch verfügbar.

Bild von Johannes Mahnke (cc by sa 4.0)

Bild von Johannes Mahnke (cc by sa 4.0)

Die Männer, die am Eingang des Flughafengebäudes stehen, sehen mit ihren Maschinengewehren ungemütlich aus. Mittlerweile sind wir schon gewohnt, dass man überall den Reisepass zeigen muss, doch es stellt sich heraus, dass ihnen das nicht reicht. Nur wer ein Flugticket hat, darf das Abfertigungsgebäude betreten. Doch auf die Eventualität, dass jemand ein E-Ticket hat und dies nur digital vorliegt, sind sie nicht vorbereitet. Oder doch. Ein Mann bringt eine lange Liste mit Namen. Mehrere Meter Endlospapier beinhalten sämtliche Daten derer, die heute von diesem Flughafen abreisen werden. Wir kriegen die Liste ausgehändigt und sollen unsere Namen aus den vielen Fluggastinformationen herausfinden. Erst danach dürfen wir den Flughafen betreten. Mitsamt der Liste. Die sollen wir dem Kollegen drinnen am Schalter geben.

A journey to a surveillance state – new motivation to resist found in India

Bild von Johannes Mahnke (cc by sa 4.0)

Picture by Johannes Mahnke (cc by sa 4.0)

Seeing those men with machine guns at the airport entrance is not a comforting experience. By now we are used to having our passport inspected everywhere, but this time that is not enough. Only those who can show a ticket are allowed to enter the terminal building. Our case is an eventuality they are not prepared for – that someone might have an electronic ticket which they can only present in digital form. Or maybe they are: a man appears with a long list of names. Several metres of fan-fold paper containing all known data of those that will depart from this airport today. They give us the list and ask us to find our own names among all that passenger data. Only then are we allowed to enter. Still holding the list, that is – we are supposed to hand it over to the colleagues at the counter inside.
12 hours later, as I show my passport to the German immigration official, I feel relieved. For the first time I can rest assured that German data protection rules will be applied as my identity is checked. I never felt such an intense sense of protection resulting from these rules as I do at this moment.
That’s how a three-week journey to India ended for me in November 2013. Is was an exciting trip with a lot of new experiences. What stuck most in my mind is how much surveillance the Indian population and their visitors are subjected to:

For every stay in a hotel, our passports were copied and we had to pose for a photo. Travelling on a train was not possible without giving the passport number either, and that’s nothing compared to the masses of data we were asked for when applying for a visa or buying a SIM card. To enter a railway or subway station, we had to have your luggage scanned and walk through a metal detector. CCTV cameras are a regular feature of the urban environment.

Freiheit statt Angst – Es geht ums Ganze.

Heute möchte ich die Menschen außerhalb meiner Blase erreichen. Da das über mein Blog nicht so gut geht, habe ich untigen Text an diese Menschen meines Umfelds geschrieben (als Brief), die ich sonst nicht so gut erreiche. Hier steht er primär, um euch zu inspirieren, auch außerhalb eurer Bubble zu werben. (Wie alle meine Texte steht auch dieser unter CC-Lizenz ;)

Liebe Freundinnen und Freunde,

ich schreibe euch, weil ich Angst habe. Angst vor dem Verlust von Individualität und Freiheit. Und Angst davor, mein Urteilsvermögen zu verlieren. Seit Wochen hören wir eine Hammermeldung nach der anderen. Über die systematische Vollerfassung all unserer Kommunikationsvorgänge. Was bis vor kurzem als Verschwörungstheorie galt, ist nun traurige Gewissheit. Und wieder einmal frage ich mich, warum es niemanden zu interessieren scheint. Das Thema ist nicht so gut greifbar und verständlich, doch wir wissen: Wer viel über andere Menschen weiß, kann sie manipulieren und kontrollieren.
Seit ich nicht mehr weiß, was ich denken soll, erwische ich mich immer häufiger dabei, meine eigenen Verschwörungstheorien zu spinnen. Plötzlich begegnet mir überall der Verdacht, dass auch dort manipuliert wurde und dass ich auch hier nur an der Nase herum geführt werde. Und je mehr Nachrichten von unmöglichsten Rechtsverstößen ans Licht kommen, umso glaubwürdiger werden diese Befürchtungen für mich. Nein, ich leide nicht unter Verfolgungswahn. Ich werde tatsächlich verfolgt. All meine Handlungen im Internet werden von einer nicht fassbaren Instanz verfolgt. Aber mehr weiß ich nicht. Während diese nicht greifbaren Personen alles über mich erfahren, werde ich im absoluten Unwissen gehalten.
Genau deshalb ist Überwachung so gefährlich für die Demokratie. Wie sollen wir noch „Souverän“ sein, wenn wir nicht mehr wissen, worauf wir uns verlassen können?
Überwachung macht uns krank im Kopf. Die uneinschätzbare Kontrolle macht uns kaputt. Was wir jetzt erleben, ist nur der Anfang.

SMV – Delegationen ermöglichen, Superdelegierte durch digitale Mündigkeit vermeiden.

Die Piratenpartei diskutiert gerade auf ihrem Parteitag in Neumarkt die Einführung einer digitalen ständigen Mitgliedervertretung. Dies soll der erste Schritt sein, aus den vielen schon bestehenden Verfahren zur Onlinemeinungsbildung eine Plattform zu entwickeln, die bindende Entscheidungen treffen kann. Das Thema wird stark diskutiert und es gibt auf beiden Seiten viele wirklich gute Argumente.

Eines möchte ich herauspicken, um zu zeigen, dass sich Probleme auch anders lösen lassen: Die Frage nach Delegationen.

Der Sonntagsspaziergang von Carl Spitzweg

Hier war das delegieren noch einfacher.

Die bisherig stark genutzte Beteiligungsplattform „Liquid Feedback“ verfügt über die Möglichkeit, die eigene Stimme zu delegieren. Dadurch entstand in der Vergangenheit das Problem, dass sogenannte „Superdelegierte“ entstanden, also solche Menschen, die mit ihrer Entscheidung den Ausgang der gesamten Abstimmung beeinflussen konnten. Das wird zu Recht kritisiert.

Doch dieses Problem ließe sich einfach lösen, ohne Delegationen abzuschaffen.
Ich bin nicht in der Software drinnen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es so schwer sein soll:

1. Da wo ich die Delegationen einstellen kann, muss ich sofort angezeigt kriegen, wo meine Stimme derzeit landet.

2. Ebenda brauche ich ein weiteres Feld „Superdelegierte vermeiden“. Dort kann ich selbst entscheiden, ab welcher Zahl für mich ein Superdelegierter anfängt und was geschehen soll, wenn meine Delegation bei einer so definierten Person ankommt.

Umbauarbeiten

Ich überarbeite gerade das äußere Erscheinungsbild meines Blogs. Da ich das aus Bequemlichkeit im laufenden Betrieb mache, wirds heute und morgen manchmal etwas durcheinander werden. Sorry dafür.

Update: Die Bauarbeiten sind nun weitgehend abgeschlossen. Das neue Design steht. Hoffe, es gefällt.

Kollateralschäden des Urheberrechts

Wieder und wieder hören und lesen wir es: Das Urheberrecht muss reformiert werden. Das geben mittlerweile sogar die oft als verstaubt angesehenen Konservativen zu. Komischerweise hält sich jedoch das Vorurteil hartnäckig, dass eine Reformation des Urheberrechts mit dessen Abschaffung gleichzusetzen sei. Das fordern natürlich nur die wenigsten, funktioniert jedoch immernoch als stärkstes Gegenargument: „Aber die Urheber müssen doch auch für ihre Arbeit entlohnt werden!
Meist ist die Antwort auf dieses flache Argument, dass es ja gerade auch um den Schutz der Urheberinnen geht und dass Kultur davon lebt, dass sie sich reproduziert und aufeinander aufbaut. Das ist auch völlig korrekt (und dazu haben sich schon viele zu Wort gemeldet). Jedoch ist es nicht der einzige Grund, weshalb das derzeitige Urheberrecht schädlich für unsere Gesellschaft ist.
Viele Probleme entstehen nämlich nicht wegen der immer längerwerdenden Schutzfristen, die längst nicht mehr dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit entsprechen, sondern weil das Urheberrecht sich schlicht nicht mehr durchsetzen bzw. organisieren lässt.

Statute of Anne

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